{"id":2985,"date":"2025-02-09T19:53:27","date_gmt":"2025-02-09T18:53:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.fahrradstadt-pforzheim.de\/?p=2985"},"modified":"2025-02-09T19:53:28","modified_gmt":"2025-02-09T18:53:28","slug":"02-02-2025-redebeitrag-ulrike-medger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fahrradstadt-pforzheim.de\/index.php\/2025\/02\/09\/02-02-2025-redebeitrag-ulrike-medger\/","title":{"rendered":"Gedenkversammlung f\u00fcr Natenom am 02.02.2025: Redebeitrag Ulrike Medger"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-gallery columns-1 is-cropped\"><ul class=\"blocks-gallery-grid\"><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><img loading=\"lazy\" width=\"1030\" height=\"688\" src=\"https:\/\/www.fahrradstadt-pforzheim.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/2025_Natenom_28-1030x688.jpg\" alt=\"Ulrike Medger spricht bei der Gedenkversammlung f\u00fcr Andreas Mandalka alias Natenom am 02.02.2025 in Pforzheim\" data-id=\"2986\" data-full-url=\"https:\/\/www.fahrradstadt-pforzheim.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/2025_Natenom_28-scaled.jpg\" data-link=\"https:\/\/www.fahrradstadt-pforzheim.de\/2025_natenom_28\/\" class=\"wp-image-2986\" srcset=\"https:\/\/www.fahrradstadt-pforzheim.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/2025_Natenom_28-1030x688.jpg 1030w, https:\/\/www.fahrradstadt-pforzheim.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/2025_Natenom_28-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.fahrradstadt-pforzheim.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/2025_Natenom_28-768x513.jpg 768w, https:\/\/www.fahrradstadt-pforzheim.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/2025_Natenom_28-1536x1026.jpg 1536w, https:\/\/www.fahrradstadt-pforzheim.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/2025_Natenom_28-2048x1368.jpg 2048w, https:\/\/www.fahrradstadt-pforzheim.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/2025_Natenom_28-1500x1002.jpg 1500w, https:\/\/www.fahrradstadt-pforzheim.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/2025_Natenom_28-705x471.jpg 705w\" sizes=\"(max-width: 1030px) 100vw, 1030px\" \/><\/figure><\/li><\/ul><figcaption class=\"blocks-gallery-caption\"><em>Ulrike Medger spricht bei der Gedenkversammlung f\u00fcr Andreas Mandalka alias Natenom am 02.02.2025 in Pforzheim (Bild: Joachim Wossido, <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/wossidlofilm.de\/\" target=\"_blank\">WossidloFilm<\/a>) <\/em><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Redebeitrag von Fahrradaktivistin Ulrike Medger (alias <a href=\"https:\/\/bsky.app\/profile\/azetbur.bsky.social\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Agathe Bauer<\/a> alias <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/@azetbur\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">@azetbur<\/a>) bei der Gedenkversammlung f\u00fcr Andreas Mandalka alias Natenom am 02.02.2025 in Pforzheim:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bei den Gedanken an diese Rede kamen mir 1000 Gedanken in den Kopf. Wut, Trauer, Hoffnungslosigkeit, aber auch an den Willen, das nicht l\u00e4nger hinzunehmen. Damit meine ich die ganzen Verletzten und get\u00f6teten Menschen im Stra\u00dfenverkehr. Jeden Tag.<\/p>\n\n\n\n<p>Jeden Tag sterben im Stra\u00dfenverkehr 8 Menschen. Betroffen davon sind sehr viel mehr. Zu den 8 Menschen geh\u00f6ren Kinder, Freunde, Eltern, PartnerInnen, KollegInnen, aber auch Rettungskr\u00e4fte und viele mehr.<\/p>\n\n\n\n<p>Andreas ist einer von ihnen. Aber er ist nicht irgendjemand. Und auch hier sind sehr viel mehr Menschen von seinem Tod betroffen. Es spielt dabei keine Rolle, ob man ihn pers\u00f6nlich kannte oder \u00fcber die sozialen Medien. Er hat bei allen von uns Spuren hinterlassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor einem Jahr einte uns die Trauer \u00fcber seinen verfr\u00fchten Tod. Zu der Trauer kam die Wut. Wut, weil wir wissen, wie man so etwas h\u00e4tte verhindern k\u00f6nnen. Wut, dass sich anscheinend nichts tut in der Verkehrspolitik. Wut \u00fcber die Medien, die in der Unfallberichterstattung allzu oft den Radfahrenden die Schuld zuschreiben. Wut \u00fcber die Autopolizei, die Autofahrenden viel zu viel Luft zum Atmen l\u00e4sst. Wut \u00fcber eine Autojustiz, die in der altt\u00e4glichen motorisierten Gewalt kein Problem sieht.<\/p>\n\n\n\n<p>Andreas fuhr seine Alltagswege mit dem Rad. Regelm\u00e4\u00dfig musste er auch \u00fcber eine Landstra\u00dfe. Geringe \u00dcberholabst\u00e4nde sind uns allen bekannt. Auch er hat f\u00fcr mehr Sicherheit gek\u00e4mpft. Er hat Anzeigen geschrieben und wurde ignoriert. Das ist ja leider keine Seltenheit. Aber er blieb immer ruhig. Das fand ich immer sehr bewundernswert.<\/p>\n\n\n\n<p>Er lie\u00df nicht locker. Er hat sich f\u00fcr mehr Sicherheit und gute Wege eingesetzt, unerm\u00fcdlich.<\/p>\n\n\n\n<p>Er sagte einmal:<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ich bestehe auf meine Rechte, wie ein Mensch im Stra\u00dfenverkehr behandelt zu werden, angstfrei Fahrrad fahren zu k\u00f6nnen und gesund zu Hause anzukommen. Und dabei auch noch eine ordentliche Infrastruktur benutzen zu k\u00f6nnen. Diese Rechte gestehe ich jedem anderen Menschen auch zu.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Als ich von dem Unfall erfuhr, hat es mir den Boden unter den F\u00fc\u00dfen weggerissen. Ich selbst erlebe jeden Tag mit dem Rad zur Arbeit \u00c4hnliches. Und nicht nur ich. Viele von uns, zu viele.<\/p>\n\n\n\n<p>Da ist immer diese Angst, dass es bald den N\u00e4chsten treffen kann. Eine Angst, die viele Menschen vom Radeln abh\u00e4lt. Das ist keine Freiheit. Das ist gewaltsame Autokultur, die j\u00e4hrlich ihre Opfer fordert.<\/p>\n\n\n\n<p>Und diese motorisierte Gewalt wird staatlich gef\u00f6rdert. Anzeigen werden entweder nicht bearbeitet oder die Staatsanwaltschaften verneinen das \u00f6ffentliche Interesse und stellen die Verfahren ein. Das k\u00f6nnen sie, weil es in der entsprechenden Richtlinie dazu einen Ermessensspielraum gibt. Solange die Menschen in den Beh\u00f6rden motorisierte Gewalt aber nicht als Problem wahrnehmen, so wird dieser Ermessensspielraum weiterhin zum Schutz der Autofahrenden ausgelegt werden. Schw\u00e4chere VerkehrsteilnehmerInnen sind der motorisierten Gewalt dadurch schutzlos ausgeliefert.<\/p>\n\n\n\n<p>Es kann aber nicht \u00fcberall sichere Radwege geben. Geltendes Recht muss auch f\u00fcr die Sicherheit der Radfahrenden durchgesetzt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer mag, kann zu Helm und Warnweste greifen. Was aber neben einer sicheren Infrastruktur wirklich hilfreich w\u00e4re, sind eine Polizei und Justiz, die nicht blo\u00df f\u00fcr Autofahrende da sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Autopolizei weigert sich, \u00dcberholabstandskontrollen durchzuf\u00fchren. Da geht es nicht nur um die gef\u00fchlte Sicherheit. Euch brauche ich das nicht zu erz\u00e4hlen. Seit Jahren reden die sich damit raus, dass es keine geeigneten Messger\u00e4te gibt. Das glaubt denen nach so vielen Jahren der Gesetzes\u00e4nderung doch sowieso niemand mehr.<br>Es fehlt einfach am Willen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.openbikesensor.org\/\" target=\"_blank\">OpenBikeSensor<\/a> ist doch ein gutes Beispiel. Auch Andreas hat sich bei dem Projekt mit eingebracht. Wenn die Menschen es schaffen, ein kleines Ger\u00e4t zu konstruieren, das Abst\u00e4nde misst, warum schaffen es die Beh\u00f6rden und die entsprechenden Pr\u00fcfanstalten nicht? <br>Weil es nicht gewollt ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Und so werden wir weiter jeden Tag gef\u00e4hrdet. Viel zu viele machen eben diese Erfahrungen. Hier sind einige unter uns, die Anzeigen schreiben, wenn es wieder brenzlig wurde. Die Weigerung der Beh\u00f6rden, sich dem Problem zu widmen, hinterl\u00e4sst eine gewisse Hoffnungslosigkeit. Manche haben es aufgegeben, Anzeigen zu schreiben. Das kann ich gut verstehen. Auch ich hatte so eine Phase. Aber am Ende taucht es in keiner Statistik auf und die T\u00e4ter marodieren weiter durch die Stra\u00dfen und gef\u00e4hrden Menschen. Ich f\u00fcr meinen Teil bin nicht bereit, das l\u00e4nger hinzunehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe es satt, jeden Tag aufs Neue gef\u00e4hrdet zu werden. <br>Ich habe es satt, dass man sich abh\u00e4ngig von Wetter, Rad oder Laune der Autofahrenden Routen suchen muss, um die \u201eNo ride areas\u201c und motorisierte Gewalt zu umfahren. Es ist immer ein Abw\u00e4gen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich will einfach nur sicher von a nach b fahren. Ich will dabei nicht an Bettelampeln versauern, ich will auch nicht zus\u00e4tzliche Ampeln haben m\u00fcssen, um links abzubiegen, und ich will nicht mit einem Auto bedroht oder \u00fcbersehen werden. Und ich h\u00e4tte gerne einen Wegbelag, der mich nicht zwingt, das MTB zu nutzen oder man danach aussieht, als h\u00e4tte man sich nass im Sandkasten gew\u00e4lzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe es satt. Ich habe es satt, gef\u00e4hrdet zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich m\u00f6chte gerne die Richtlinie f\u00fcr Staatsanw\u00e4ltInnen \u00e4ndern, in der das \u00f6ffentliche Interesse behandelt wird. Der Ermessensspielraum muss begrenzt werden. Das \u00f6ffentliche Interesse bei motorisierter Gewalt muss bejaht werden. Dann kann sich die Autojustiz nicht mehr zur\u00fcckziehen und auf den Privatklageweg verweisen. Dann setzt sich vielleicht auch in den K\u00f6pfen der Menschen fest, dass es eben keine gute Idee ist, andere aus Fahrl\u00e4ssigkeit oder aus verkehrserzieherischem Willen zu gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n<p>Aktuell arbeiten wir noch daran, wie wir dabei vorgehen wollen. Wenn es aber losgeht, brauchen wir eure Unterst\u00fctzung.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin nicht bereit, die Hoffnung aufzugeben, dass wir etwas \u00e4ndern k\u00f6nnen. Nicht nur in der Justiz, sondern eben auch in den K\u00f6pfen der Menschen, die diese altt\u00e4gliche Autogewalt als Lappalie abtun.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir wollen alle nur sicher von a nach b radeln. Die aktuelle Situation ist nicht alternativlos. Wir m\u00fcssen das nicht widerstandslos hinnehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn ihr Fragen habt, sprecht mich gerne an.<\/p>\n\n\n\n<p>Dankesch\u00f6n.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<div class='avia-iframe-wrap'><iframe loading=\"lazy\" title=\"Reden bei der 2. 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