Critical Mass am 28. Januar abgesagt!
Mit Blick auf die anhaltende Pandemie-Situation haben wir im Orgateam beschlossen, zum Wohle aller vorsichtshalber auch die für Januar geplante Critical Mass abzusagen.

Die für Januar mit dem Kommunalen Kino vorgesehene Fortsetzung unserer Filmreihe „Dialog (Rad-)Verkehr“ haben wir auf April verschoben. Wir hoffen, am 29.04. bei besseren Vorzeichen tatsächlich wieder mit euch zum Schlossberg radeln zu können! (Nähere Infos folgen noch.)

Hier zum Download unser neutrales Werbeplakat für die monatliche Critical Mass. Bei den nächsten Aktionen gibt es zusätzlich auch Aufkleber und Flyer zum Mitnehmen (gerne gegen kleine Unkostenspende).

Grundregeln für gute Stimmung und ein gesundes Miteinander

  • Bitte mitbringen: Fahrradleuchten + Lichterketten + sichtbare Kleidung/Warnwesten + gute Laune + Klingeln + Musik. Je mehr von allem, umso mehr Stimmung!
  • Die Radwelt ist bunt: Egal, ob mit Stadt- oder Sportrad, ob mit oder ohne E-Antrieb, ob Normal- oder Lastenrad, Velomobil oder Spezialfahrzeug, ob mit einem, zwei oder mehr Rollrädern, ob im Anhänger oder selbst auf der Zugmaschine, ob mit großen Rädern oder auf ganz kleinen Rollen, ob aus Pforzheim oder von anderswo – bei der Critical Mass ist jede*r herzlich willkommen!
  • Hinweis für (Groß-)Eltern: Wir freuen uns auch bei den Critical Mass-Fahrten über mitradelnde Kinder, sie müssen aber „bergfit“ sein und bei Erwachsenentempo mithalten können.
  • Beachtet bitte die Regelungen der aktuellen Corona-Verordnung.

Die Critical Mass rollt (normalerweise) jeden Monat
Critical – was? Eine möglichst große Zahl an Radfahrer*innen schließt sich regelmäßig (in Pforzheim: jeden letzten Freitag im Monat) zu einer Gruppe zusammen und fordert so ihren Platz im Straßenverkehr. Diese weltweite Aktionsform ist eine Gegenbewegung zur alltäglichen städtischen Blechlawine – und eine Feier für das Verkehrsmittel Fahrrad. Wir fordern eine gerechte Aufteilung des Verkehrsraums und sichere Straßen für Radfahrer*innen. Das kommt leider nicht von allein.
Du bist herzlich eingeladen, bei der Critical Mass mitzufahren! Je mehr Leute wir sind, umso besser werden wir wahrgenommen, desto eher werden wir gehört. Unsere Veranstaltungen sind angemeldet und die Polizei sperrt Kreuzungen, schützt uns vor dem Autoverkehr.

Informationen zu den vergangen Fahrten gibt es hier.

Am Dienstag, 18.01., können wir uns ab 19.00 Uhr bei der pandemie-bedingt auf online verlegten Öffentlichkeitsveranstaltung noch einmal gemeinsam in die finale Phase des Mitmachprojekts „Pforzheim Mobil“ einbringen. (Wir haben bereits mehrfach über das Projekt berichtet.)

Wie im Newsletter angekündigt, haben wir euch zur Ergänzung eurer eigenen Erfahrungen hier etwas Vorbereitungsmaterial zusammengestellt:

Gutes Einsehen und bis Dienstag!

Wer im November mitgeradelt ist, hat es live mitbekommen: wir hatten im Rahmen der Auszeichnung mit dem Familienfreundlichkeitspreis 2021 bei der Critical Mass am 26. November 2021 Besuch von einem Filmteam von TV-BW.

Herausgekommen ist ein gelungener Film über den diesjährigen Familienfreundlichkeitspreis mit schönen Critical Mass-Bildern und Interviewaussagen von Marthe, Bastian und Jugendgemeinderat Leon Mayer zur Zielsetzung der „Kidical Mass“.

Familienfreundlichkeitspreis 2021 für die Pforzheimer „Kidical Mass“

Wir bedanken uns bei der Koordinierungsstelle Familienfreundliche Stadt der Stadt Pforzheim für ihre Unterstützung und die freundliche Überlassung des Filmmaterials.

Die Stadtverwaltung hatte mit dem Haushaltsplanentwurf 2022/2023 zunächst geplant, den Ansatz für Umsetzung von Massnahmen aus dem Radverkehrskonzept von 150.000 EUR (2021) auf 100.000 EUR (2022) zu reduzieren Das wäre weniger als 1 € pro Einwohner gewesen. Zum Vergleich: der ADFC taxiert einen auskömmlichen Haushaltsansatz mit 30 € / Einwohner. Im Vorfeld der Haushaltsberatungen sind ADFC und Critical Mass deshalb auf die Gemeinderatsfraktionen zugegangen und haben diesen Wege zur Verbesserung der Lebensqualität und Mobilität aufgezeigt. Nach Erhöhungsanträgen der SPD, der Linken und der Grünen hat dann die Verwaltung bei den Haushaltsberatungen einen Alternativvorschlag gemacht: 100.000 mehr für die Radverkehrsplanung und 300.000 für bauliche Maßnahmen. Dieser Vorschlag wurde mit Stimmen auch der CDU angenommen.

Rückblick: Das Ziel des Verkehrsentwicklungsplans 1990, den PKW Anteil im Mobilitätsmix bei 50% zu stabilisieren wurden eklatant verfehlt; in 2017 betrug der Autoanteil 61%. Gleichzeitig nahm das Verkehrschaos, bedingt durch ein zu hohes Kfz Aufkommen, immer weiter zu. In den letzten 8 Jahren ist in Sachen Radverkehrsinfrastruktur fast nichts passiert. Dabei hätte die Stadtverwaltung durchaus aktiv werden können.

Die Radverkehrsverhinderer können sich nicht einmal mehr auf das Argument „Wirtschaft gleich Auto“ stützen: 92% der Geschäftsleute, die Läden an der Zerrennerstraße betreiben, unterstützen die Initiative „Projekt Z“, welche eine Sperrung der Zerrennerstraße für den Durchgangsverkehr fordert. Die Bäckerei Pasler betreibt am Ebersteinplatz jetzt auch Außengastronomie. Autofreie Tage in der Dillsteinerstrasse sind regelmäßig ein lebendiges Highlight mit Straßenfestcharakter.

Um die Verkehrswende zu schaffen ist es erforderlich, dass am Radverkehr interessierte aber besorgte Menschen, die rund 50% der Verkehrsteilnehmer insgesamt ausmachen, sich im Straßenverkehr sicher fühlen („subjektives Sicherheitsgefühl“). Das kann nur funktionieren, wenn in der Innenstadt entweder Tempo 30 gilt oder aber Radelnde auf baulich getrennte Radwege ausweichen können.

„Eine Entscheidung gegen das subjektive Sicherheitsgefühl der Mehrheit der Bürger*innen ist eine Entscheidung gegen die Verkehrswende und eine Entscheidung für den Klimawandel.“ sagt die Critical Mass. „Im stehenden Verkehr verbraucht ein Auto so viel Platz wie zehn Fahrräder“, meint der ADFC.

Der Gemeinderat muss handeln! Critical Mass forderte daher:

  • ein Radverkehrsbudget von 5 € pro Einwohner (für das Auto wird das zehnfache ausgegeben)
  • eine(n) zusätzlichen Fuß- und Radverkehrsplaner/-in, ggfs. durch Stellenumwidmung
  • Tempo hoch beim Radwegebau!

Diese Forderungen teilt auch der ADFC und beschreibt zudem die kurzfristig erforderlichen Massnahmen:

  • Durchgängigkeit der Nord-Süd-Hauptachse
  • Eine verkehrsberuhigte Zone für die Dillsteiner Straße
  • Lückenschluss Liebeneck-Pflügerstrasse
  • Bedarfsampel an der Querung Enztalradweg / Altstädter Kirchenweg
  • Fahrradstreifen stadteinwärts auf der Fritz-Ungerer Strasse

Hier die Präsentationen von Critical Mass und ADFC für die Gemeinderatsfraktionen:

Wir freuen uns, dass wir mit dem Kompromissvorschlag der Verwaltung nunmehr einen Schritt weiter sind.

(Preismotiv © Stadt Pforzheim, Koordinierungsstelle Familienfreundliche Stadt / Montage Critical Mass Pforzheim)

Wir haben zusammen mit unseren Kooperationspartnern und allen treuen Aktionsteilnehmer*innen mit unserem Projekt Kidical Mass den „Familienfreundlichkeitspreis 2021“ der Stadt Pforzheim eingefahren! Hier der Film, der unsere Aktion erklärt.

Die Initiatoren haben es mit zähem Engagement geschafft, mittlerweile zur Stimme der Fahrradfahrer und des Radverkehrs zu werden. Sie sind im politischen Raum etabliert und gut vernetzt.

Carola Pigisch, Koordinierungsstelle Familienfreundliche Stadt, zur Verleihung des „Familienfreundlichkeitspreis 2021“ an unsere Initiative Critical Mass für das Projekt Kidical Mass

Wir freuen uns sehr über die Auszeichnung und betrachten den Preis als Anerkennung für unseren stetigen Einsatz für bessere Radwege und mehr Sicherheit für kleine und auch große Radfahrer*innen in Pforzheim.

Der Familienfreundlichkeitspreis ist mit 2.000 Euro dotiert und gibt unserer rein ehrenamtlich getragenen Initiative nun wertvollen zusätzlichen finanziellen Spielraum. Wir haben für die Verwendung des Preisgelds schon verschiedene Ideen und freuen uns darauf, uns in den nächsten Monaten gemeinsam mit euch noch tatkräftiger für die Belange junger Radfahrer*innen engagieren zu können.

Mit ihrem Einsatz für eine bessere Fahrrad-Infrastruktur in Pforzheim agieren sie im Sinne von Familien und vor allem Kindern.

Carola Pigisch, Koordinierungsstelle Familienfreundliche Stadt, zur Verleihung des „Familienfreundlichkeitspreis 2021“ an unsere Initiative Critical Mass für das Projekt Kidical Mass

Kann die Verkehrswende mithilfe des Fahrrads geschafft werden?

Dieser Frage geht NDR-Reporter Güven Purtul in der toll gemachten Doku „Vorfahrt für’s Fahrrad?“ nach. Der Dokumentarfilm ist am 08.11.2021 im Rahmen der ARD-Themenwoche „Stadt.Land.Wandel“ gezeigt worden. Er informiert aufschlussreich darüber, wie es in Deutschland um die Radverkehrsinfrastruktur bestellt ist, wer die „Empfehlungen für Radverkehrsanlagen (ERA 2010)“ herausgibt und warum aus Perspektive von Radfahrer*innen nicht jede ERA-Empfehlung unbedingt zu empfehlen ist.

Wer den Film gesehen hat, kann nachvollziehen, warum wir uns in Pforzheim entlang der Hauptverkehrsachsen schon länger für baulich getrennte Radwege stark machen.

Wenn da die Türe aufgeht, habe ich ein Problem. Dann muss ich ausweichen auf die Straße und bin mit den Kindern sofort der Gefahr ausgesetzt.

Familienvater Sebastian Dietrich in „Vorfahrt für’s Fahrrad?“ zu aufgemalten sogenannten Radschutzstreifen auf der Fahrbahn.

Wir stehen, wie bereits berichtet, seit einiger Zeit im Austausch mit den Stadtplaner*innen um Herrn Maier, die sich im Rahmen des Sanierungsgebiets Nordstadt II u.a. auch der Umgestaltung der Plätze in der Nordstadt widmen.

Wie die Sanierungsstelle aktuell schreibt, soll nächstes Jahr die Entwurfs- und Ausführungsplanung für die Umgestaltung des Pfälzer Platzes starten, damit ab 2023 dann die eigentliche Umsetzung erfolgen kann. Nach einem Blick auf die vorgestellten Konzeptansätze sind wir sehr zuversichtlich, dass die Umgestaltung auch zu Verbesserungen für uns Radler*innen führen wird.

Heute ein interessanter Artikel aus der FAZ zur Psychologie des Strassenverkehrs, … leider hinter der Paywall. Der Artikel hat den Titel „Warum die Mobilitätswende scheitert“, was womöglich als eine Art trojanisches Pferd die klassischen FAZ-Leser dazu verleiten soll, den Artikel trotz autokritischem Inhalt zu lesen.

Hier eine kurze Zusammenfassung:

Laut wissenschaftlichen Untersuchungen

  • führten mehr Parkplätze und mehr Strassen zu mehr Autoverkehr. Dem Verkehrskollaps sei somit durch die Verkehrsplaner der Boden bereitet worden.
  • sei die Angst vor dem Verlust bei Umwidmung in Radwege kurz vor der Maßnahme am höchsten, danach steige die Akzeptanz.

Die flächendeckende Einführung von Tempo 30 habe zuletzt in Frankreich und in Brüssel zu einer starken Reduzierung der Anzahl von Verkehrstoten geführt.

Laut Jens Schade, Verkehrspsychologe an der Uni Dresden sei das größte Hindernis einer vernunftgeleiteten Verkehrswende nicht nur die Autolobby, sondern auch die Gewohnheit der Autofahrer. Diese lebten in der Annahme

  • ein Recht auf grüne Welle, freie Parkplätze und breite Straßen zu haben.
  • ein Gewohnheitsrecht bilden zu können, wenn sie lang genug zum Beispiel durch Anliegerstraßen gefahren seien.
  • … und würden sich im Stau nicht als Verursacher sondern als Opfer empfinden.

Es sei daher wichtig die Gewohnheiten zu durchbrechen, was Mut seitens der Stadtverwaltung erfordere.

Erprobte, wirkungsvolle Maßnahmen seien

  • eine City – Maut (eher was für richtige Großstädte). Die Erhöhung der Benzinpreise dagegen würde einfach bezahlt
  • die flächendeckende Einführung von Tempo 30
  • die massenhafte Beseitigung von Parkplätzen aus den Straßen der Innenstädte
  • die Bildung von verkehrsberuhigten „Superblocks“, durch die keine Durchfahrt mehr möglich sei

Die Erhöhung von Parkkosten für Anwohner kann in Baden-Württemberg jetzt die Kommune entscheiden.

Was macht die Pforzheimer Stadtverwaltung?

Die von der Stadt vom 09.-16.10.2021 mit interessanten und attraktiv gestalteten Programmpunkten als ergebnisoffenes Beteiligungsprojekt durchgeführte „Ideenwoche für die Zerrennerstraße“ hat gezeigt: Nicht nur Fußgänger*innen und wir Radler*innen, sondern auch Händler und Immobilienbesitzer wünschen sich weniger Autos auf der Zer(t)rennerstraße.

Der Individualverkehr muss raus aus der Stadt – und zwar kompromisslos.

Jürgen Jainta, Inhaber von Optiker Schütz, im Rahmen eines Ideenworkshops für Händler, Immobilienbesitzer und Stadträte. – [Quelle: „Straße mit Potenzial: Händler bei Workshop großteils für autofreie Zerrennerstraße in Pforzheim“ von Anke Baumgärtel, Pforzheimer Zeitung vom 16.10.2021]

Unten zeigen wir Veranstaltungsbilder und eine aussagekräftige Auswahl der am „KioskZ“ zusammengekommenen Anregungen und Wünsche aus der Bürgerschaft. Wir sind gespannt, welche Planungsentwürfe Anton Schwarzenberger vom beauftragten Landschaftsarchitekturbüro SNOW daraus nun für die Umgestaltung der Zerrennerstraße entwickeln wird. Noch gespannter sind wir allerdings darauf, ob und wie Oberbürgermeister Peter Boch und die Stadtpolitik in den anstehenden Haushaltsberatungen auf die deutlich gewordenen Forderungen von Bürgerschaft und Wirtschaft reagieren werden.

Am 13. Oktober hat sich Teilnehmer*innen der Ideenwoche für die Zerrennerstraße auf dem Waisenhausplatz ein für Pforzheim leider noch ungewohntes Bild geboten: zwei grüne Lastenräder mit Aufschrift „Leih mich aus!“

Lastenrad von Lastenrad Stuttgart e.V.

Die sympathischen Radler im Sattel haben sich als Mitglieder von Lastenrad Stuttgart* entpuppt. Phil und sein Kollege waren im Rahmen der Schokofahrt* ehrenamtlich unterwegs nach Karlsruhe, um dort von einem Freiburger Team eine Ladung fair erzeugter und emissionsfrei nach Europa transportierter Schokolade zu übernehmen. Die Freiburger haben die Schokolade zuvor mit eigenen Lastenrädern in Weeze abgeholt und umweltschonend von NRW nach Baden geradelt.

*So ein Lastenrad-Leihmodell und die Teilnahme an der Schokofahrt wäre doch auch was für PF, was meint ihr? Bei Interesse bitte melden.

Das Video von pedalkultur macht Lust auf selber mitradeln – die Schokolade schmeckt dann bestimmt noch besser!