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Was macht ein Auto, wenn es gerade nicht gefahren wird? Es verbraucht im Stehen im Schnitt 12qm Parkplatzfläche – und das meist im öffentlichen Raum und etwa 23 Stunden am Tag. Könnten aufgeklärte Menschen 12qm öffentlichen Raum nicht sinnvoller für uns Menschen nutzen?

Diese und andere Fragen wollen wir auch in diesem Jahr beim internationalen Park(ing) Day am 17. September gerne mit euch und allen interessierten Pforzheimer*innen diskutieren.

Worum geht es beim Park(ing) Day? Parkplätze im öffentlichen Straßenraum werden für einige Stunden umgewidmet: als grüne Oase*, als Wohnzimmer, zum Kaffeetrinken, Entspannen, Spielen oder Freunde treffen. Der Aktionstag regt an zur kritischen Auseinandersetzung mit PKW-Parken im öffentlichen Raum und einer PKW-zentrierten Verkehrspolitik** Denn: Ein Parkplatz nützt nur einer (abwesenden) Person. An einer freien Fläche in der Stadt könnten aber viele Freude haben.

Was kannst du machen? Was du willst – sei kreativ! Nutze einen freien Parkplatz und lass deiner Fantasie freien Lauf: Ein Teppich, Sitzgelegenheiten, Kaffee und Kuchen, Blumentöpfe, Brettspiele, Straßenkreide etc. Achte aber darauf, mit der Aktion niemanden zu stören oder zu belästigen. Weitere Inspirationen unter www.strasse-zurueckerobern.de

Mach Fotos von deiner Aktion! Vorher-Nachher-Bilder sind ideal. Schick uns deine Fotos oder verbreite sie unter #parkingdaypforzheim und #parkingday in deinen Social-Media-Kanälen.

Uns findest du am 17. September hier: Wir werden den Park(ing) Day in der Jörg-Ratgeb-Straße auf Höhe der Herz-Jesu-Kirche feiern.

*OT: Bei der Klimawette lockt immerhin ein „grünes Zimmer“. Bis zum 01.11. könnt ihr noch in die Wette einsteigen.
**Von wenigen Ausnahmen abgesehen könnte man in Pforzheim alternativ vielleicht auch im Wortsinn von „autofokussierter Stillstandpolitik“ sprechen
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Am Freitag, den 18. September wurde in der Jörg-Ratgeb-Straße unter dem Motto „Strasse zurückerobern“ der Parking Day gefeiert. Zwischen Rialto und Unverpackt-Laden waren alle Parkplätze mit Leben gefüllt: dort standen Tische, Spielsachen und gemütliche Stühle, und gegen später gab die KOKI Band ein Konzert. Die Jörg-Ratgeb-Strasse, die ohnehin schon Spielstrasse ist, wurde ausnahmsweise tatsächlich durch spielende Kinder mit Leben gefüllt, und wegen des intensiven Treibens auf der Straße hielten sich die Autofahrer an die Geschwindigkeitsbegrenzung von 7 km/h. Darauf achtete auch die Polizei, die die angemeldete Aktion begleitete, was wiederum für die kleineren Kinder von großem Interesse war. Es kam verschiedentlich zum interessieren Austausch zwischen großen Polizisten mit Pistole und Jungs und Mädchen mit Teddy unterm Arm. Obwohl in den Innenhöfen an der Jörg-Ratgeb-Straße zum selben Zeitpunkt fast alle Parkplätze leer waren, kam es trotzdem vielen Autofahrern wie ein Sakrileg vor, den öffentlichen Raum, den sie für ihr „heilig’s Blechle“ reserviert sahen, einem anderen Zweck zuzuführen. Von den meisten Ladenbesitzern dagegen kam positives Feedback: sie freuten sich darüber, dass der Platz vor ihren Läden und Restaurants auf einmal einbezogen war in den Erholungsraum am Fluss, so dass sie nicht mehr durch eine Parkschneise vom öffentlichen Leben getrennt waren.

Wie viel Platz in der Stadt soll von Autos besetzt werden – und wie viel Platz sollte uns allen zur öffentlichen Nutzung zustehen? Eigentlich eine Frage, die sich nicht nur die stellen sollten, die meist mit dem Fahrrad unterwegs sind.