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Wir können pandemie-bedingt momentan zwar leider nicht gemeinsam durch Pforzheim fahren, dafür radelt die Critical Mass Pforzheim nun schon in Afrika (über den Bildschirm). 🙂

Scherz beiseite, gemeinsam mit der Solidarregion Pforzheim-Enzkreis sind wir seit kurzem in einem städtischen Imagevideo zum Auftakt der Klimapartnerschaft von Pforzheim mit Mtwara im Osten Tansanias zu sehen. Wir haben gerne die Gelegenheit genutzt, den politischen Entscheidungsträger*innen in Mtwara und Pforzheim die Ziele unserer Radverkehrsinitiative vorzustellen – und sind gespannt, was die Klimapartnerschaft konkret zu Wege bringen wird.

Videobeitrag | Klimapartnerschaft Pforzheim-Mtwara. Copyright: Stadt Pforzheim

Die Stadt Pforzheim hat mit Gemeinderatsbeschluss vom Oktober 2020 eine Klimapartnerschaft mit Mtwara in Tansania vereinbart.

Und wir haben geschaut was man tun kann…

TansaniaDeutschland
CO2 Emissionen pro Kopf 1991 (to)0,0811,82
CO2 Emissionen pro Kopf 2014 (to)0,238,89
Durchschnittstemperatur 2019 (°C)23,410,2
BIP / Kopf (2018), (USD)1.05047.603
Quelle: Google

Die Rollen sind klar verteilt: wir sind reich, die Menschen in Tansania nicht, wir verursachen den Klimawandel, die Menschen in Tansania noch nicht und während es bis 2050 bei uns ein wenig wärmer werden wird, wird es in Tansania richtig heiß.

Bis 1918 war Tansania deutsche Kolonie. 44% der Einwohner waren in 2017 unter 15 Jahre alt. Etwa 25% sind unterernährt. In 2019 waren 79% der Exporte aus Tansania nach Deutschland Kaffee und Gewürze (64 Mio EUR). Deutschland exportierte nach Tansania Getreide (19 Mio EUR), Milch und Milchprodukte (2,4 Mio EUR) und „andere Lebensmittelzubereitungen“ (9,8 Mio EUR – vermutlich Geflügelfleischreste) sowie den ganzen Rest unserer industriellen Warenpalette (143,3 Mio EUR) (Quelle: Genesis Datenbank des statistischen Bundesamts).

Die Bevölkerung in Tansania ist je etwa zu einem Drittel christlich und muslimisch. Mtwara ist eine 1950 am Reissbrett entworfene Stadt an der Grenze zu Mosambique. Sie liegt am indischen Ozean und ist eine der ärmsten Regionen Tansanias. In der Gegend wurden zuletzt Erdgas, Erdöl und Uran gefunden (Quelle Wikipedia). Erdgas soll auch mittels Fracking abgebaut werden.

Die Stadt Pforzheim will sich mit Mtwara vernetzen, zusammenarbeiten und voneinander lernen, in den Bereichen erneuerbare Energien, Energieeffizienz, Klimafolgenanpassung, nachhaltige Mobilität, nachhaltige Land- und Forstwirtschaft, Wasser- und Abwassermanagement sowie Umweltbildung. Bürgermeisterin Schüssler ist gespannt, bei welchen Klimathemen die Zusammenarbeit erfolgen soll (Quelle: Stadt Pforzheim).

Wir hoffen, dass auch Pforzheim profitiert und aus dem aktuell noch nachhaltigen Mobilitätsverhalten der Menschen in Mtwara lernt. Und dass das Pforzheimer Budget für die Klimapartnerschaft in Projekte vor Ort und nicht in Flüge nach Tansania investiert wird.

Das Sachgebiet Klimaschutz des Amts für Umweltschutz hat schon mal einen Film in Auftrag gegeben, um den Afrikanern einen Einblick in das Leben in unserer Stadt zu geben. Der Film enthält schöne Luftaufnahmen der Stadt sowie – nicht ganz repräsentativ – ein Portrait der Critical Mass und des Auenhofs.

30. Oktober 2020 – mit Polizeischutz auf Tour ins Kommunale Kino

Im Oktober hat uns die Polizei mit Blaulicht durch die Innenstadt begleitet und dabei 34 mit Masken geschützte Radler*innen gezählt. Nach der Critical Mass-Fahrt stand im Kommunalen Kino die Fortsetzung unserer gemeinsamen Filmreihe DIALOG (RAD-)VERKEHR mit dem Fahrrad-Roadmovie „HIN UND WEG“ auf dem Programm.

25. September 2020 – Normalität im Regen

Nach einer Vielzahl von Fahrrad-Events (Parking Day, Kidical Mass und Fancy Women Bike Ride) am Wochenende zuvor haben es sich 44 Alltagsradler am 25. September trotz gleichmäßigem Regen und kühlen Temperaturen nicht nehmen lassen, gemeinsam die Critical Mass zu fahren. Die Tour ging kreuz und quer durch die Innenstadt. Vier Autofahrer hatten es mal wieder eilig und mussten dringend den langen Tross überholen. Die warme Suppe, die es bei gemütlichem Beisammensein danach im Cafe Roland gab, soll sehr gut gewesen sein.

28. August 2020 – Ausklang im Sommerkino

In der Urlaubszeit und nach dem kurz davor noch sehr regnerischen Wetter waren es etwa 40 aufrechte Radler, die in großer Kolonne klingelnd durch Pforzheim fuhren und auf die Belange des Radverkehrs aufmerksam machten. Einer hatte Musik dabei und es bot sich wieder Gelegenheit für viele interessante Gespräche. Am Ende unserer ca. 45minütigen Fahrt durch die Pforzheimer Innenstadt luden wir zusammen mit dem Kommunalen Kino zur Fortsetzung unserer gemeinsamen Filmreihe DIALOG (RAD-)VERKEHR in den sehr gut besetzten Innenhof des Kulturhaus Osterfeld ein.

Weltumradler Dennis Kailing vor der Open Air Bühne des Kulturhaus Osterfeld – Foto: ritschratsch-klick.de

Unserem mitradelnden Programmbeirat Winfried Thein war es gelungen, die beeindruckende Doku „BESSER WELT ALS NIE“ gemeinsam mit dem Regisseur und Protagonisten Dennis Kailing nach Pforzheim zu holen. Der sympathische Weltumradler zeigte unterhaltsam auf, worauf es ankommt, wenn man zweieinhalb Jahre um die Welt radelt, und wie man filmisch dokumentieren kann, wenn einem die türkische Polizei erklärt, dass man auf der Autobahn nicht radeln soll.

31. Juli 2020 – Poolnudelaktion

Am 31. Juli 2020 kamen etwa 70 Radler zur Critical Mass mit Poolnudeln. Unter dem Aktionsmotto „Abstand halten“ wiesen die Poolnudeln auf den Mindestabstand von 1,50 Metern laut der aktuellen Novelle der Straßenverkehrsordnung hin. Die Aktion war ein voller Erfolg, Pforzheimer Zeitung und Pforzheimer Kurier berichteten jeweils mit Bild. Zum Ausklang gab es kühle Getränke beim Bootspick. Leider war das Wasser dort so wenig einladend, dass die in der sommerlichen Schwüle herbeigesehnte Wasserschlacht ausfallen musste.

Menschen auf dem Fahrrad bei einer Demonstration

Bis auf Weiteres keine Critical Mass-Fahrten!
Angesichts der hohen Infektionszahlen der zweiten Pandemiewelle haben wir beschlossen, bis auf Weiteres mit den Critical Mass-Fahrten auszusetzen.

Anschließend heißt es wieder:
Um 19 Uhr an jedem letzten Freitag im Monat treffen wir uns zur Critical Mass am Waisenhausplatz in Pforzheim. – Critical Mass? Eine Fahrrad-Spazierfahrt, die ohne Veranstalter und ohne festgelegte Route durch die Stadt führt. Nicht nur in Pforzheim, sondern in über einhundert Städten weltweit.

Informationen zu den vergangen Fahrten gibt es hier.

Bild oben: Medizinisches Foto erstellt von wirestock – de.freepik.com

Mit dem Fahrrad auf dem Popupradweg in Pforzheim

Aufgrund der Corona-Krise ist der Autoverkehr kurzzeitig massiv zurück gegangen und man kann in den Straßen einen signifikant erhöhten Radverkehr beobachten. Städte auf der ganzen Welt haben daher Popupradwege eingerichtet. Aktivisten der Critical Mass Pforzheim haben in einem Brief an die Stadtverwaltung temporäre Schutzzonen für Radfahrer und Fußgänger gefordert: zum einen auf dem Innenstadtring, weil dort zur Zeit wesentlich schwächerer Autoverkehr ist. Die Radfahrer sind durch knapp überholende Autofahrer trotzdem gefährdet. Zum anderen in den Straßen am Sedansplatz, denn dort wäre mehr Aufenthaltsqualität ein großer Gewinn. Zum Beispiel in der Dillsteiner Straße können die Cafés jetzt zwar wieder öffnen, aber deren Besucher an den Außentischen sitzen nach wie vor in einem Meter Abstand von den davor parkenden Autos. Wie leicht könnte man angesichts der schönen Geschäfte in dieser Straße das Flair einer Flaniermeile entstehen lassen, wenn die Dillsteiner Straße den Bürgern als Lebensraum statt als Parkraum zur Verfügung gestellt werden würde. Die lapidare Antwort der Stadt war, dass es zu kompliziert sei Popupradwege einzurichten.

Der VCD Kreisverband Pforzheim-Enzkreis hat dies zum Anlass genommen, im Rahmen einer Versammlung am 23. Mai 2020 für eine Stunde einen temporären Popupradweg auf der Luisenstraße entstehen zu lassen. Die Teilnehmer der Aktion fuhren mir ihren Fahrrädern im Regen den Rundkurs Museumstraße-Luisenstraße-Poststraße-Kiehnlestraße und hatten so viel Spaß, dass die Aktion an anderer Stelle wiederholt werden soll.

In etwas größerem Rahmen wurde dann am Sonntag, 7. Juni 2020, ein Popupradweg auf der Zerrennerstraße eingerichtet. Paul Hoffer hat darüber einen sehr schönen Film auf seinem Youtube-Kanal veröffentlicht.

Vielleicht erlebt Pforzheim bald einen autofreien Tag?

Für weitere Informationen zur Umsetzung von Popupradwegen in Berlin verweisen hier wir auf ein Video des Deutschen Instituts für Urbanistik.

Bewegung ist in Covid-19 Zeiten enorm wichtig. Dabei dürfen sich die Menschen nicht zu nahekommen, um Infektionsgefahr zu vermeiden. Angesichts der Corona-Krise ist deutlich weniger Autoverkehr in der Stadt vorhanden. Gleichzeitig soll der Einzelhandel schrittweise wieder die Türen öffnen.

Deshalb forderten Aktivisten der Critical Mass Pforzheim in einer Pressemitteilung mehr Platz für aktive Mobilität und die temporäre provisorische Reservierung von Autofahrspuren für Fußgänger*innen und/oder Radfahrer*innen in der Pforzheimer Innenstadt.
Folgende Reservierungen für Fußgänger*innen und/oder Radfahrer*innen schlug die Critical Mass Pforzheim vor (Siehe die Abbildung oben).

  • Eine Spur in jede Richtung für Fahrradfahrer*innen auf dem Innenstadtring und auf der Deimlingstraße temporär freigeben.
  • Temporäre Sperrung der Zerrennerstraße und der Rossbrücke für den normalen Autoverkehr. Freigabe nur für Bus, Radfahrer*innen und Fußgänger*innen.
  • Temporär zur Fahrradstraße erklärt werden die Ebersteinstraße als Teil der Nord-Süd-Achse, die Jörg-Ratgeb-Straße, die Dillsteiner Straße und die Bleichstraße im Sedanviertel.

Immer mehr Städte weltweit schaffen jetzt temporäre geschützte Radfahrstreifen – kurz: Popup-Radwege. Die kolumbianische Stadt Bogotá hat es vorgemacht, Oakland in Kalifornien hat dies ebenfalls gemacht. Berlin schafft immer mehr temporäre Radspuren und hat gezeigt, dass Popup-Radwege quasi über Nacht möglich sind. Köln hat bereits damit begonnen, ganze Straßenzüge für Fußgänger zu öffnen. Das muss in Pforzheim auch möglich sein!

Aktive Mobilität per Fahrrad ist nicht nur gesund (es senkt den Blutdruck, stärkt die Lunge und macht damit widerstandsfähiger gegen Viren): um das Infektionsrisiko im ÖPNV zu senken, sind schon viele Pforzheimer*innen auf das Rad umgestiegen und schaffen Sicherheit für die, die keine Alternative zu den Öffentlichen haben.

Die Critical Mass Pforzheim appellierte an Oberbürgermeister Boch und die politisch Verantwortlichen, schnellstmöglich Pop-up-Radwege in Pforzheim umzusetzen.

Der VCD Pforzheim/Enz e.V. und der ADFC Kreisverband Pforzheim-Enzkreis unterstützen diese Forderung der Critical Mass Pforzheim.

Pressemitteilungen und Publikationen der beiden Verbände zu dem Thema finden Sie hier:

VCD Pforzheim / Enz e.V.: https://bw.vcd.org/startseite/detail/news/fahrspuren-fuer-radfahrer-freigeben/

ADFC: https://www.adfc.de/dossier/dossier-radfahren-in-zeiten-von-corona/