Gemeinderäte von UB, LED, FW, FDP und AfD haben Anfang Mai mit Hinweis auf seit Jahren vernachlässigte Schultoiletten und fehlendes Geld den eigentlich nur formalen Umlaufbeschluss zur Weiterführung der Projekte „Umgestaltung der Westlichen KF“ und „Südverlegung des Enztalradwegs“ durch das Unterlaufen der erforderlichen Einstimmigkeit blockiert. Nun muss der Gemeinderat am 23. Juni 2020 darüber entscheiden.

Der Umbau der Westlichen KF ist ein Straßensanierungsprojekt, bei dem nur ein Bruchteil für Radverkehr ausgegeben wird und die Stadt kann bis zu 70% der Mittel über Förderprogramme akquirieren. Die Südverlegung des Enztalradwegs wird helfen, die Stadt sicherer und lebenswerter zu machen. Die Mehrheit im Gemeinderat mit CDU, SPD, Grünen Grüner Liste, WIP und Die Linke hat der Jugend in der Gemeinderatssitzung am 23. Juni 2020 dann sowohl sichere Radwege als auch Toiletten finanziert.

Unbekannte haben in der Nacht zum 1. Mai 2020 die Zerrennerstraße in „Zertrennerstraße“ umgetauft und die Straße zur Fußgängerzone umdefiniert. Am Morgen des 1. Mai hingen sowohl am Eingang von der Bahnhofstrasse zur Zerrennerstraße als auch am Eingang von der Deimlingstraße zur Zerrennerstraße Fußgängerzonenschilder. Alle Schilder waren täuschend echt, aber die Autofahrer konnten es nicht glauben und sind einfach durchgefahren.

Das zeigt uns zweierlei:

  1. Die falschen Dinge sind normal
  2. Wir müssen weiter daran arbeiten, dass der öffentliche Raum den Bürgern zurück gegeben wird.

Bewegung ist in Covid-19 Zeiten enorm wichtig. Dabei dürfen sich die Menschen nicht zu nahekommen, um Infektionsgefahr zu vermeiden. Angesichts der Corona-Krise ist deutlich weniger Autoverkehr in der Stadt vorhanden. Gleichzeitig soll der Einzelhandel schrittweise wieder die Türen öffnen.

Deshalb forderten Aktivisten der Critical Mass Pforzheim in einer Pressemitteilung mehr Platz für aktive Mobilität und die temporäre provisorische Reservierung von Autofahrspuren für Fußgänger*innen und/oder Radfahrer*innen in der Pforzheimer Innenstadt.
Folgende Reservierungen für Fußgänger*innen und/oder Radfahrer*innen schlug die Critical Mass Pforzheim vor (Siehe die Abbildung oben).

  • Eine Spur in jede Richtung für Fahrradfahrer*innen auf dem Innenstadtring und auf der Deimlingstraße temporär freigeben.
  • Temporäre Sperrung der Zerrennerstraße und der Rossbrücke für den normalen Autoverkehr. Freigabe nur für Bus, Radfahrer*innen und Fußgänger*innen.
  • Temporär zur Fahrradstraße erklärt werden die Ebersteinstraße als Teil der Nord-Süd-Achse, die Jörg-Ratgeb-Straße, die Dillsteiner Straße und die Bleichstraße im Sedanviertel.

Immer mehr Städte weltweit schaffen jetzt temporäre geschützte Radfahrstreifen – kurz: Popup-Radwege. Die kolumbianische Stadt Bogotá hat es vorgemacht, Oakland in Kalifornien hat dies ebenfalls gemacht. Berlin schafft immer mehr temporäre Radspuren und hat gezeigt, dass Popup-Radwege quasi über Nacht möglich sind. Köln hat bereits damit begonnen, ganze Straßenzüge für Fußgänger zu öffnen. Das muss in Pforzheim auch möglich sein!

Aktive Mobilität per Fahrrad ist nicht nur gesund (es senkt den Blutdruck, stärkt die Lunge und macht damit widerstandsfähiger gegen Viren): um das Infektionsrisiko im ÖPNV zu senken, sind schon viele Pforzheimer*innen auf das Rad umgestiegen und schaffen Sicherheit für die, die keine Alternative zu den Öffentlichen haben.

Die Critical Mass Pforzheim appellierte an Oberbürgermeister Boch und die politisch Verantwortlichen, schnellstmöglich Pop-up-Radwege in Pforzheim umzusetzen.

Der VCD Pforzheim/Enz e.V. und der ADFC Kreisverband Pforzheim-Enzkreis unterstützen diese Forderung der Critical Mass Pforzheim.

Pressemitteilungen und Publikationen der beiden Verbände zu dem Thema finden Sie hier:

VCD Pforzheim / Enz e.V.: https://bw.vcd.org/startseite/detail/news/fahrspuren-fuer-radfahrer-freigeben/

ADFC: https://www.adfc.de/dossier/dossier-radfahren-in-zeiten-von-corona/

Anlässlich eines erst kürzlich erfolgten Unfalls an der ungesicherten Kreuzung Enztalradweg / Deimlingstr., bei der ein Fahrradfahrer schwer verletzt wurde, führten wir am 28. Februar 2020 eine Kundgebung vor Ort durch. Wir forderten eine sichere Ausgestaltung der Radwegkreuzung. Berichtet wurde in der PZ, bei der Polizei und bei Natenom.